RIAA gegen den Rest der Welt
Mittwoch, 10 Oktober 2007 12:43 von Bernd Kling
Die gnadenlosen Rechteverwerter haben ein 220.000-$-Urteil gegen eine alleinerziehende Mutter erreicht. Doch es sieht nach einem Pyrrhus-Sieg aus.
Das absurde Urteil bringt ins Licht der Öffentlichkeit, wie entfremdet die RIAA (Recording Industry Association of America) von den künstlerischen und technologischen Ökosystemen ist, von denen sie noch immer lebt.
Heute tauchten gleichzeitig zwei Texte auf, die das gut illustrieren. Sie zeigen die tiefe Unzufriedenheit mit den Entertainment-Multis. Die Autoren drücken nicht nur ihre Wut über die Einschüchterungstaktiken der RIAA aus, sondern stellen vor allem auch ihre Geschäftsstrategie – und die ihrer Mitglieder – in Frage. Und damit ihre Daseinsberechtigung, ihren Wert für die Gesellschaft.
David Rovics ist ein Musiker, der seinen Lebensunterhalt verdient, ohne mit den Musikfirmen auch nur das Geringste zu tun zu haben. Sein Essay „The RIAA vs. the World“ ist ziemlich lang, aber gut durchdacht. Er führt aus, warum Musiker die RIAA nicht brauchen.
Ian Rogers ist General Manager von Yahoo Music. Er erklärt heute in seinem Blog seinen Freunden in der Musikindustrie, warum für ihn Schluss ist mit Digital Rights Management.
Der digitale Flaschengeist ist entschlüpft. Die Tage der Musikfirmen-Dinos sind gezählt.
(von Egan Orion/bk)

Kommentare
Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, warum sich Gerichte in den USA und wahrscheinlich bald auch bei uns mit diesen Fällen beschäftigen, während allendhalben Server durch Bots gehackt und als Spamschleudern missbraucht werden, wodurch der Wirtschaft tatsächlich nachweisbare Schäden entstehen.
Natürlich ist mir klar, dass die Wirtschaft, gerade kleine und mittelständische Unternehmen keine Lobbyarbeit leisten. Diese Tatsache rechtfertigt aber nicht den Fakt, dass unsere Justiz Zeit und Geld für die Wahrung undefinierter Rechte verschleudert.
Arme Welt….
Das hat doch damit nicht zu tun. Der punkt ist einfach der, dass in den USA mittlerweile schlichtweg sehr viele Gerichte von Lobbyisten regelrecht “beherrscht” werden.
Bestes und aktuelles Beispiel dürfte das im Artikel erwähnte Urteil sein, in dem eine allein erziehende Mutter zu 220.000$ Strafe verurteilt wurde.
Und zwar ohne ausreichende Begründung oder gar Beweise.
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