Blog falsch zitiert – Endstation für U-Bahn-Sprecherin
Donnerstag, 29 November 2007 14:13 von Ralf Müller
Die britische Boulevardpresse ist nicht gerade als Hort der Fairness bekannt. Nun riss sie ein weiteres unschuldiges Opfer: Emma Clarke, “the Voice” der Londoner U-Bahn und Hobby-Bloggerin.
Die Synchronsprecherin mit der angenehmen Stimme wollte ihre Homepage etwas aufpeppen und bot die beliebten Tube-Durchsagen (“Mind the gap”) zum Downloaden an. Das war kein Problem für ihren Arbeitgeber. Da die Besuchszahlen ihres Blogs so vor sich hin dümpelten, motzte sie die Sammlung durch ein paar Spaß-Durchsagen auf. Nicht allzu lustig verkündet sie einen Notfall: ihren eingerissenen Fingernagel. Oder fordert US-Touristen auf, in der U-Bahn leiser zu sein. Auch das wäre kein Problem gewesen, wenn sie nicht ergänzend ausgerechnet dem bekannt schreierischen Boulevard-Blatt Mail on Sunday ein Interview gegeben hätte. Jenes motzte die etwas langweilige Geschichte über die Stimmen-Lady mit unwahren Aussagen auf. Das stand plötzlich, dass sie die Londoner U-Bahn gar nicht möge. Oder sich mit ihren Download-Durchsagen über die Fahrgäste der Tube lustig mache.
Diesen Humbug griffen andere britische und später auch ausländische Publikationen auf. Ohne große Nachfrage oder Untersuchung kündigten die Betreiber der U-Bahn, Transport of London, Emma Clarke den Vertrag. Jene, geschockt durch die unglaublichen Vorgänge, löschte kurzerhand die eigentlich harmlosen Scherzdurchsagen von ihrer Page. Und hofft vielleicht im Stillen, dass die Facebook-Aktionsgruppe Erfolg haben möge. Jene setzt sich dafür ein, dass sie ihren Job zurück bekommt.
Derweil kann sie sich damit trösten, dass der unfreiwillige Medien-Rummel sie als Synchronsprecherin bekannter gemacht hat. Angeblich sollen daraus schon neue Aufträge resultieren. (rm)

Kommentare
Traue keinem Boulevard-Blatt … was auch für den Arbeitgeber gilt.
Falls sie sich dadurch eine andere Karriere aufbauen kann, als Synchronsprecherin, geht es für sie noch gut aus.
[...] Bogs. Ihr wurde auf Grund eines fehlhaften Zitats gekündigt. Die Story dazu gibt’s beim Inquirer. Auf ihrer Website führt Emma Clark ein Blog, man kann die berühmten Durchsagen anhören oder [...]
nicht mal richtigen zeitungen kann man glauben schenken. man schickt bspw. hier in der gegend zur regionalen presse einen fertigen artikel. und wenn man ihn dann liest, ist er abgeändert, gekürzt und versinnfremdet.
nicht nur bei “bullewhat?”-blättern so…
Ich bin gegen Presse freiheit, wenn die zu sowas führt, echt traurig, man müsste die Boulevard-Blätter dazu gesetzlich zwingen, bei lügen/ fehlmeldungen große Geldbatzen an die zu entschädigenden ohne weiteren Richtlichen /gerichtlichen werdegang zu überweisen.
dann würde das ein Ende haben, es schon komisch das die Presse welt weit lügen darf und jeden Ruf in den Dreck ziehen kann, und es so wenige stört, und zb. die Bild, nur ein lächerlich kleine korrektur stelle hat, wobei die soviel scheiße von sich lassen.
Man muss bedenken, diese Presse hat, immer noch viel Macht, so wie das TV, wer nicht sieht, der liest, .. also wie auch immer sind wir von Leuten abhängig… und wenn die Stuss verbreiten… zzz.
Kann man ja gleich nach Russland ziehen, und sich Staatlich manipuliertes Fernsehen angucken!
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