Psychotherapeuten wollen „Killerspiele“ verbieten
Donnerstag, 29 November 2007 11:33 von Bernd Kling
Sagt jedenfalls ein Berufsverband in einer Presseerklärung. Und bar jeder wissenschaftlichen Grundlage.
Das hätte auch von Beckstein & Co kommen können, was die „Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächstherapie (GwG) verbreitete. „Killerspiele sind wie Landminen für die Seele“, meint GwG-Mitglied Elke Ostbomk-Fischer und beruft sich darauf, „im Einklang mit führenden Kriminologen und medienkritischen Wissenschaftlern” zu sein. Die Realität wissenschaftlicher Studien, die zu ganz anderen Ergebnissen kommen, nimmt sie sicherheitshalber nicht zur Kenntnis, ruft aber gleich nach der Verbotskeule: „Manche dieser Spiele sind menschenverachtend und grundgesetzwidrig. Daher sollte ihre Herstellung und Verbreitung strafbar sein.“
Woher nimmt Frau Elke Ostbomk-Fischer die Erkenntnisse, die sie als so gesichert vorgibt? Nun ja, aus der Gesprächstherapie eben. Sie beruft sich auf „die Erfahrungen vieler Fachkräfte“ ihres eigenen Vereins „aus psychotherapeutischen Beratungsstellen und schulpsychologischen Diensten“.
Karl-Otto Hentze, Bundesgeschäftsführer der GwG, sieht in diesen schweren Zeiten nur noch hilflose und verzweifelte Eltern, denen offenbar nur sein Berufsstand wieder den nötigen Halt geben kann: „Viele Eltern fühlen sich angesichts der medialen Übermacht zunehmend hilflos und verzweifelt. Oft werden sie von ihren Kindern als rückständig abgekanzelt, wenn sie auf entsprechende Geschenkwünsche skeptisch reagieren.“
Eindringlich warnt Herr Hentze vor Internet und Wissenschaftlern. Die stehen für ihn nämlich unter dem schrecklichen Verdacht, der Computerindustrie nahezustehen: „Internetversierte Kinder überreden ihre Eltern dann häufig mit Argumenten, die im Internet von Wissenschaftlern verbreitet werden, die der Computerindustrie nahestehen.“
Weitere Seltsamkeiten dieser Güteklasse finden sich in der GwG-Presseerklärung. Für einen besonderen Lacher gut ist die Liste von Fragen, um „ein Computerspiel selbst zu beurteilen“.
(bk)
Presserklärung der „Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächstherapie” (GwG)

Kommentare
ey leute, ich hab 100 Punkte auf dieser liste,
ich werde meinen Kindern diesen Fernseher nicht kaufen!
achsoo es ging um Computerspiele…
mich errinert diese gesamte diskussion an eine simpsons folge, wo marge itchy&scratchy ändern wollte: statt blut und gewalt gabs dann ringelpiets mit anfassen. lustigerweise sind dann die einschaltquoten in denn keller gegangen weil kein kind diesen kram sehen wollte.
analogien sehe ich zum real life: wollten die programmierer die spiele umgestalten, das zum beispiel: wir die gegner mit blumen und geschenken zu bewerfen und diese sich dann freuen anstatt zu sterben, würde sich keine sau mehr dafür interessieren und eine ganze branche würde pleite gehen.
ich hab lange keine shooter mehr gespielt, aber ich werde es tun, wenn der duke wieder da ist *g*
hihi, da muss ich mich doch glatt an den friendship-finish in mortal kombat errinnern
Internet und Wissenschaftler, das sind die wahren Übel dieser Gesellschaft!
Wo sind die Scheiterhaufen??
Ich freu mich auch auf den Duke :) Aber mit Blümchen werfen… ? Neeee… dann beschweren sich die ganzen Vegetarier und Pflanzenfreunde… man kanns halt niemanden recht machen ;)
Der Artikel ist niveaulos und tritt für die Verbreitung von Killerspielen bei Kindern ein.
@Inquirer:
Wo sind die von euch behaupteten, wissenschaftlichen Studien, dass Killerspiele bei Kindern keinen Schaden anrichten können?
Eure Behauptung ist nicht besser, als die der GwG.
Wer auch immer die GwG sein mag, hätte sie über traumatisierte Soldaten in Afghanistan geschrieben, wäre sie hier in den fachlichen Himmel gehoben worden. So ist es nur ein lächerlicher Verein? Ein europaweit vertretener lächerlicher Verein?
Das ist unterhalb von Bild-Zeitung.
@ Oldie: Das ging hier nicht um diesen Verein. Sondern um ziemlich lächerliche Sprüche, mit denen die mal in die Presse kommen wollten. Und sie sind ja auch.
Wenn jemand anderen was verbieten will, dann sollte er die Beweise bringen, warum das denn sein müsste. Und nicht verlangen, dass andere das Gegenteil beweisen. Wissenschaftliche Studien taugen jedenfalls nicht zur Rechtfertigung des geforderten Verbots:
http://www.theinquirer.de/2007/03/07/analyse_killerspiele_nicht_sch.html
http://www.theinquirer.de/2006/12/30/berliner_studie_computerspiele.html
http://www.theinquirer.de/2006/11/29/studie_beweist_computerspiele.html
Ach ja, und das mit Bildzeitung hab ich einfach mal überlesen.
@bk
Na also, geht doch.
Jetzt steht hier wenigstens Inhalt und nicht nur Geschriebenes um des Schreibens willen.
Aha, die Eltern sind also die wirklichen Opfer: “Oft werden sie von ihren Kindern als rückständig abgekanzelt, wenn sie auf entsprechende Geschenkwünsche skeptisch reagieren”. Klar versucht das Kind alle möglichen Tricks, um die Eltern zu überreden. Aber wenn die Eltern auf so was Billiges reinfallen, sind sie selbst schuld.
Spiele sind Spiele, die Realität ist die Realität. Selbst kleine Kinder können sehr wohl zwischen Spiel und Ernst unterscheiden. Kinder brauchen Erziehung und keine Bevormundung.
Warum aber sollen diese Spiele denn vollständig verboten werden? Schaffen es die Eltern von heute etwa nicht mehr, die Altersfreigaben zu kontrollieren? Warum sollen den erwachsenen Spielern ein solches Spiel vorenthalten werden?
Aha in der Pressemitteilung steht: “Vertrauen Sie nicht den Altersangaben auf den Spieleverpackungen. Der Jugendschutz reicht hier nicht aus.”
In dieser Hinsicht ist die Pressemitteilung einfach nur inkonsequent. Den “Täter” (falsche Altersklassifikation) identifizieren und einen anderen (erwachsene Spieler) dafür bestrafen wollen. Vielleicht sollten sich die zuständigen Stellen lieber einmal mit der Altersklassifizierung beschäftigen als mit vollständigen Verboten. Aber das gibt ja nicht so ein schönes Medienecho und könnte tatsächlich etwas bewirken…
schreibe gerade mail an “Running with scissors”
die solln mal postal 3 mit Psychotherapeuten rausbringen wo Dude sie umbringen darf….. ;)
Es ist z.Zeit in Mode alles mögliche verbieten zu wollen, Politiker die blinden Aktionismus betreiben gibt’s ja zur genüge.
Da will jemand nur Geld und Aufmerksamkeit für seine Gesellschaft. Ob diese platte Argumentation in Fachkreisen gut ankommt, wage ich zu bezweifeln. Leider hat der Inquirer und andere Medien der Psycho-Gesellschaft gegeben, was sie wollte. Nämlich Medien-Aufmerksamkeit. Nun gut. Spot und Häme können auch was negatives bewirken – hoffentlich.
[...] Inquirer hat auch was dazu. Inklusive Links zu Studien in den [...]
Es gab schon damals im Amiga Joker einen lustigen Leserbrief: Man gehe in die BPJS, springe den Angestellten auf den Kopf, und jeder, der sich nicht in eine Bonusbanane verwandelt, wird auf Grund von Unrealismus erschossen :-)
Ernsthaft: Ist noch niemand darauf gekommen, dass “Raeuber und Gendarm” (“Cowboy und Indianer”, …) exakt dasselbe ist? Eigentlich sogar noch deutlich realistischer… die Grafik ist besser, und die Bewegungsablaeufe sogar deutlich! Trotzdem wird das vermutlich seit Erfindung der Pistole gespielt, und nicht verboten.
Oh, ein neuer Lobbyistenverband, der sich wieder mal mit saudämlichen Sprüchen und kräftigem Druck auf die Geschundene-Seelen-Tränendrüse in die Schlagzeilen bringen will, in der Hoffnung mehr Geld für ihre achso überlebenswichtige Arbeit zu bekommen ….
MACHT EUCH VOM ACHER, IHR PUBLICITY-SCHNORRER! GELD GIBTS NUR FÜR GUTE ARBEIT, NICHT FÜRS VERA******!!!
SOleln die Eltenr ihren Kids einen Shooter, der nicht ganz so derbe is schenken und dne aktuellen NFS-Teil und alle sind glücklich. Wnen man son gewese draus macht, entscheidet das Kind nach böse=cool und nich bedneklich=uncool …
Wobei NFS nichmehr unbedingt für qualität steht, aber das tut ja nichts zur sache
Ähämm, in meinen Augen ist die klientenzentrierte Therapie nach Rogers, und das ist das, was von der GwG vertreten wird, eher eine bessere Seelsorge denn eine eche Psychotherapie.
Ich denk mal, ein guter Teil von ihnen verwechselt ein ‘Nein’ der Eltern samt dessen Durchsetzung mit ‘den Kindern Gewalt antun’, so kommt es jedenfalls bei mir an. Sie sollten sich mal eher mit Pädagogik auseinandersetzen und dem Thema ‘Grenzen ziehen’ dem Alter angemessen und das Eltern vermitteln – die zur Umsetzung vielleicht nur die pädagogische Anleitung brauchen, vielleicht auch Psychotherarpie, statt das Kind mit dem Bade auszuschütten.
Man kann es in Bezug auf Spiele ja echt übertreiben. LEute die aufgrund eines Spieles Straftaten begehen haben eh schon vorher einen Knicks ab. ebenso sollten Eltern mit ihren Kindern diskutieren aber dennoch nicht gleich verbieten.
Keine Generalisierung von Psychotherapeuten bitte. Es sind nur die wenigen Leute von diesem komischen Verein.
Wir haben selbst bei Elke Ostbomk-Fischer mal nachgefragt ob wir ein Interview bekommen. Wir haben es bekommen. Unser Interview mit ihr könnt ihr als podcast hören.
http://umstadt.odw-cast.de
Da gehts auch um die Qualität des Fragebogens, der übrigens wirklich nicht wissenschaftlich sein soll und um die groben Anfeindungen, die ihr aus der Gamerszene entgegenschlagen.
Falls es interessiert: Wir haben auch schon mal ausführlich über eine Lanparty (die BieberLan) mit über 300 Gamern bei uns berichtet, auch als podcast zu hören. Zum Vergleich.
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