Warum vergisst Microsoft Yahoo nicht einfach?
Mittwoch, 30 April 2008 15:00 von Bernd Kling
Sogar die Moral der eigenen Truppen lässt zunehmend nach. Und es wird schon vernehmlich über einen möglichen Abgang von Oberbefehlshaber Ballmer geredet.
Das Wall Street Journal hörte davon, die Manager in verschiedenen Microsoft-Abteilungen seien ganz anderer Meinung als ihr CEO, was die lautstark und aggressiv angekündigte Übernahme von Yahoo angeht. Und ihre ablehnende Haltung nehme zu, während bei Microsoft die jährliche Budgetplanung ansteht.
Die ausgewiesene Microsoft-Kennerin Mary Jo Foley hat ebenfalls gehört, wie es im Moloch rumort. Die meisten Softies wagten es zwar noch nicht, das klar zu äußern, aber es sei die vorherrschende Stimmung in den Rängen hinter Ballmer. Hinter vorgehaltener Hand bekam sie Äußerungen zu hören wie diese:
“Niemand will, dass es zu der Microsoft-Yahoo-Fusion kommt. Der einzige Grund, warum darüber nachgedacht wird, ist das so ineffektive Management von Windows Live. Deshalb bekommen sie überhaupt nichts aus der Tür, dessen Einsatz sich lohnt. Sie hinken ständig hinter dem her, was die Verbraucher wollen, und anders als Microsoft in den alten Zeiten sind sie so schlecht geführt, dass sie nicht mal mehr alle anderen kopieren können.”
Foleys Schlussfolgerung: Wäre sie Microsoft, würde sie einen guten Teil der für Yahoo vorgesehenen rund 40 Milliarden $ nehmen und eine SWAT-Einheit anheuern, um bei Windows Vista nachzuhelfen. Denn Windows bringe noch immer ein Drittel von Microsofts Umsätzen und zwei Drittel des Gewinns, während die Online-Dienste bislang nur ein schwarzes Loch seien. Kippten aber Microsofts Melkkühe vorzeitig um, werde es auch keine Zukunft der Online-Dienste geben, um die man sich in dieser Firma sorgen müsse.
Debattiert wird auch darüber, ob Microsoft und Ballmer “Gesichtsverlust” drohe, wenn sie von der geplanten Yahoo-Übernahme abrückten. Und weil so etwas noch immer eine entscheidende Rolle spielt, geht das Drama eben weiter bis zum vielleicht bitteren Ende.
Nicht mehr auszuschließen ist inzwischen auch das Ende der Karriere von Steve “fliegende Stühle” Ballmer. Der bloggende Wagniskapitalgeber Paul Kedrosky machte eine deutliche Ansage: “Dies ist eine Firma, die einen absolut wichtigen Produktwechsel vermasselt hat. Und das ist ganz überwiegend dem CEO vorzuwerfen.”
Dabei sei das Vista-Desaster nur die Spitze des Eisbergs. Auch die geplante Milliardenübernahme von Yahoo habe Ballmer von Anfang an falsch gehandhabt. Und wie es Betsy Schiffman bei Wired im Klartext sagte: “Andere CEOs wurden schon für viel geringere Vergehen gefeuert.”
(bk)

Kommentare
lol ;-) für meinen Teil fände ich es gar nicht mal schlecht, wenn sich BugZilla einen kleinen Bruch hebt. Wenn sie mal aus dem Monopol raus sind ist endlich platz für gute Software aka OpenSource und konsorten…
wir werden sehen, aber wenn der Tag kommt: Ich warte schon seit Jahren darauf *gg*
@ twilight:
Was hat dieder Artikel mit Bugzilla zu tun? Bugzilla ist seit ‘98 Open Source und hat unter anderem dafür gesorgt, dass Firefox längst viel besser als der IE ist.
Ich glaub, du hast da was durcheinandergebracht…
warum wird das zitat auch in der 3. Person geschrieben? der von dem Sie das gehört hat, ist auch nich von MS??
Ich glaube M$ wird demnächst eine ganze Ladung neuer Stühle kaufen müssen… ;)
“und anders als Microsoft in den alten Zeiten sind sie so schlecht geführt, dass sie nicht mal mehr alle anderen kopieren können”
Und sie geben sogar offen zu, dass das Einzigste was sie wirklich KONNTEN das Kopieren ist!
Mal sehen wie sich die Sache entwickelt – am Ende wird wohl noch Yahoo M$ übernehmen! lol
Auf lange Sicht hat M$ nicht die geringste Chance gegen OpenSource – denn die ist kostenlos zu haben. (Und der Preis hat schon so viele Dinge entschieden.)
M$ hat also keine andere Wahl, als endlich mal im Online-Geschäft gegen Google zu punkten – aber das bekommen die einfach nicht auf die Reihe…
Ja ja, die Kommentierenden sind natürlich die besseren CEOs. Is klar. Genau so wie die Leute die vor dem Fernseher mit nem Bier sitzen und den spielenden Fußballer als Faulpelz bezeichnen.
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