Internet verdirbt Charakter
Montag, 26 Mai 2008 16:25 von G. Kustermann
Nix da mit edlen, gutmütigen Kämpfern für eine bessere Welt, die das Internet auf der Suche nach Menschen durchstreifen, denen sie unter die Arme greifen können – der gemeine Internet-User denkt nur an sich und seine Interessen.Zu diesem Urteil kommt der Usability-Forscher Jakob Nielsen, der alljährlich über das Web-Verhalten berichtet. Ohne Rücksicht auf Verluste bahnt sich der Internet-User 2008 seinen Weg zur Information, ist ungeduldig, wenn er sie nicht gleich findet oder sich die Erledigung einer Aufgabe hinzieht, und will sich auch gar nicht von all den interessanten Angeboten animieren lassen, die sich überall am Wegesrand finden.
Widgets und Anwendungen, die Sites “schön” machen sollen, vermiesen den Internet-Bewohnern, die zielgerichtet wie die Trolle im Bergwerk die Informationen ausgraben, die sie haben wollen, nur den Tag. Statt artig über eine Homepage zu gehen, suchen sie gleich nach dem Deep Link, der dahin führt, wohin sie wollen.
Und das bedeutet, so Dr. Nielsen, dass Google das Web beherrscht – bis jemand anders eine bessere Suche anbietet … [gk]

Kommentare
Das werbefinanzierte Geschäftsmodell des Gratis-Web neigt sich dem Ende seines Lebenszyklus zu. Aber das will noch niemand so richtig wahrhaben. Wir haben uns schon zu fest daran gewöhnt. Doch plötzlich werden auch wir von Weihnachten überrascht …
Die Überschrift ist falsch
die vielen Klicki-bunti-Angebote haben eben gerade den Charakter des homo internettensis nicht verderben können.
Er hat widerstanden und überlebt.
Zitat von LD
Das werbefinanzierte Geschäftsmodell des Gratis-Web neigt sich dem Ende seines Lebenszyklus zu. Aber das will noch niemand so richtig wahrhaben. Wir haben uns schon zu fest daran gewöhnt.
/Zitat
Das ist nun echter Unfug.
Das Netz sollte ja auch nie ein Tummelplatz für “Geschäftsmodelle” sein, dafür wurde es nicht geschaffen. Schön, dass die meisten User das immer noch genauso sehen.
H.
Richtig, das Netz wurde nicht als Tummelplatz für Geschäftsmodelle erfunden, sondern entstand aus einem ursprünglichen militärischen Projekt im Hochschullabor. Eine Kommerzialisierung, wie wir sie heute kennen, war nie geplant. Nur leider eignete sich das Netz nach Erfindung des WWW nur allzu gut, um damit viel Geld zu verdienen.
@Hugo Waldem: Immer noch Unfug oder nur ein kleines Missverständnis? Vielleicht habe ich mich ja nur etwas unverständlich ausgedrückt. Mehr dazu findest Du auf meiner Website (bevor ich mir hier die Finger wund schreibe). ;-) Vielleicht hätte G. Kustermann hinter dem Titel in Klammern “Achtung Sarkasmus” schreiben sollen, damit’s für jedermann verständlich ist.
Vielleicht etws negativ der Artikel ;) Naja ein Grund dafür sehe ich ehrlichgesagt in der Informationsflut. Es gibt so viele Menschen und so viele Informationen, so das man sich als einzelner nicht mehr in der Lage sieht sicht irgendwoh einzubringen…
Ich bin schon eine Weile dabei (1994) und kann nur sagen: Die Zahl der Seiten, die ich regelmäßig besuche liegt unter 10. Alle anderen springe ich nur an, wenn sie laut Suchmaschine (ja es gibt auch andere Suchmaschinen ;-) ) für mich relevante Informationen haben. Bannerwerbung habe ich schon immer ignoriert, und dank AdBlocker und nicht installiertem Flash bekomme ich auch die ganzen bunt blinkenden marktschreierischen Werbungen nicht zu sehen. Ansonsten wäre das Internet heute nicht mehr zu ertragen.
Einige Webshops haben schon an mir verdient. Aber ich sehe das Internet immer noch als Straße, die mich zu Informationen, Geschäften, Herstellern, … bringt. Und nicht als Geschäftsmodell.
@fangorn: genau so isses. Nur, dass die Strasse mittlerweile zur Autobahn gewachsen ist. Umso mehr hat sich meine Blindheit gegenüber nervender Werbung ausgebildet. Das ist die einzige “Krankheit”, der wirklich etwas Positives abgewinnen kann :-)
Also das Internet, vor allem das HTTP Protokoll sollte es ursprünglich ermöglichen, dass Rechner (und somit deren User) unterschiedlichster Bauart und unabhängig vom Betriebssystem miteiander kommunizieren können. Faktisch ist durch die ganzen nützlichen(?) Plugins und Protokolle genau dies nicht mehr der Fall und Nutzer von nicht der Norm entsprechenden Computern mit nicht von M$ zertifizierten Browsern werden immer mehr ausgegrenzt. Das finde ich schon egoistisch ;-) Aber in den Foren und Communities ist man sehr bemüht sich gegenseitig zu helfen, so dass der User an sich wohl keinen schlechteren Charakter hat als früher.
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