Erpresst Filesharing-Anbieter die eigenen Kunden?
Mittwoch, 02 Juli 2008 11:46 von Bernd Kling
Fastload.tv verschickt Briefe mit der Überschrift “Ermittlungsverfahren, Abmahnung / Unterlassung, Schadenersatz”. Und will Geld haben, viel Geld.
Solche Briefe bekommen Kunden des in Bratislava (Slowakei) beheimateten Betreibers Oxyron s.r.o. Und auch Kunden, die den Dienst nur getestet und gleich wieder gekündigt hatten. Sie hätten angeblich gegen geltendes Urheberrecht verstoßen:
“Uns liegt eine Ermittlungsanfrage der Generalstaatsanwaltschaft in einem Strafverfahren vor, welches nach unserer Einschätzung von der GVU e.V. (Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen) initiiert wurde.”
In den Briefen ist weiterhin davon die Rede, man habe die Vorwürfe überprüft und sie träfen zu. Damit habe der werte Kunde gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verstoßen und sei zu Schadenersatz verpflichtet. Das mache dann 431,60 Euro für Rechtsberatungskosten, Übersetzungskosten, sonstige Auslagen. Und schnell her mit der Kohle, sonst gingen die Daten an Staatsanwalt und GVU:
“Glücklicherweise anonymisiert die Fastload-Software alle IP-Adressen. Somit ist es ohne unsere Auskunft der Staatsanwaltschaft nicht möglich, Ihre Daten zu ermitteln …
Wir werden diese Daten nicht weitergeben, sofern der Schaden ersetzt wird und die beiliegende Unterlassungsverpflichtungserklärung uns gegenüber fristgerecht eingeht.”
Liest sich, als wäre diese Firma selber ein Fall für den Staatsanwalt.
Zu den dubiosen Geschäftspraktiken passt eine Pressemitteilung der Firma, die sich großspurig als “einer der weltweit größten Entwickler und Anbieter von P2P (Filesharing) Software bezeichnet. Darin verkündete sie gönnerhaft eine “Kampagne gegen Kinderpornographie und Gewalt im Internet”:
“In Zusammenarbeit mit internationalen Strafverfolgungsbehörden wurde ein selbstlernender Content-Filter entwickelt, welcher verdächtige Dateitausch-Vorgänge unter den P2P-Nutzern sofort an die Mitarbeiter meldet. Diese Vorgänge werden dann durch die Mitarbeiter geprüft. Liegt ein Missbrauchsfall vor, werden die Kundendaten und IP-Daten sofort an die zuständigen Staatsanwaltschaften über eine automatisierte Schnittstelle weitergeleitet.”
Befragte Anwälte empfehlen, sich von den offenkundigen Serienabmahnungen Oxyrons nicht beeindrucken zu lassen. Nichts zu unterschreiben und schon gar nicht zu bezahlen. Man solle “sich auf keinen Fall erpressen lassen”, rät auch Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
(bk)

Kommentare
Wer sich irgendwo für Warez anmeldet, registriert oder gar bezahlt, hat es nicht besser verdient, als abgezogen zu werden. Sorry, aber soviel Dämlichkeit gehört bestraft.
Aber manche anbieter sind ja auch nicht ganz richtig, und verlangen 1000de für ihr Software, und diskremenieren Käuferschichten, die dann oft keine Wahl haben.
sein wir doch ehrlich fairere Politik führt zu faireren Methoden, und gute Waren soweit erschwinglich würde man sich doch nie wo saugen,erst recht nicht wo alles Vieren und Wurm Infiziert ist.
Viele Programme sind auch nur auf 30 oder gar 15 Tage testzeit beschränkt, aber als normalo hat man nicht die Zeit sich immer mit dem Programm auseinander zu setzen, und ein Fehlkauf wer will den schon machen.
Sketchbook hat zb. nur 15 Tage, aber die werden nur dann immer gezählt wenn das Programm aufgemacht wurde, also hat man faktisch weit aus mehr Zeit um diese Software zu testen . oder gut gelöst wie bei Corel.
Klassischer “verschicke 100.000 und 1000 werden zahlen” Versuch.
Vielleicht merken wieder ein paar Leute mehr, wie wertvoll ihre Addressdaten, … sind. Solche Briefe nicht zu bekommen ist schon ein bisschen was wert. Wenn ich mir vorstelle ich müsste meine Familie wieder beruhigen, nachdem ein solcher Brief eingegangen wäre *schauder*
Na die können ihren Laden jetzt aber auch zumachen. Da meldet sich doch freiwillig keiner mehr an.
Wahrscheinlich hatten sie das sowieso vor und wollten vorher nochmal abkassieren.
[...] http://www.netzwelt.de/news/78085-fastloadtv-filesharing-anbieter-versucht-kunden-zu.html http://www.gulli.com/news/fastload-tv-erpressung-mit-2008-07-02/ http://www.theinquirer.de/2008/07/02/erpresst_filesharinganbieter_die_eigenen_kunden.html [...]
[...] Erpresst Filesharing-Anbieter die eigenen Kunden? bei The Inquirer [...]
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