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Der britische Weg in die Informanten-Gesellschaft

Sonntag, 17 August 2008 13:35 von Bernd Kling

Anschwärzen genügt, bösartiger Klatsch, und es kann vorbei sein mit dem Job. Ein Grundsatzurteil des High Court macht es möglich.

In Großbritannien ist eine “erweiterte” Abfrage polizeilicher Daten üblich bei Berufsgruppen, die mit Kindern oder behinderten Erwachsenen zu tun haben. Sie können jede Art zusätzlicher Informationen enthalten, wie es dem lokalen Polizeibeamten gefällt. Diese Prozedur beraubte den stellvertretenden Schulleiter John Pinnington seiner beruflichen Zukunft. Er wurde entlassen, da vor Jahren Missbrauchsvorwürfe gegen ihn erhoben wurden. Es waren zwar nur Beschuldigungen gewesen, nicht einmal ein ernsthafter Verdacht. Dennoch wurden sie in die Datenbank aufgenommen und dem Arbeitgeber mitgeteilt.

Pinnington klagte dagegen, weil die Beschuldigungen – vor Jahren von einem autistischen Kind geäußert – grundlos und offenkundig haltlos seien und daher nicht hätten übermittelt werden dürfen. Die Polizei selbst hatte die Ermittlungen ergebnislos eingestellt. Es gab keine Anklage, kein Urteil, keinen Anlass für weitere Ermittlungen. Das Gericht befand nun, die Polizei handle nicht gesetzwidrig, wenn sie bloße Anschuldigungen weitergebe. Und künftige Arbeitgeber “sollten Kenntnis haben” über Anschuldigungen, wie dünn oder haltlos sie auch seien.

Das Grundsatzurteil kann eine Lawine von effektiven Berufsverboten auslösen. Anwalt Chris Saltrese sieht in dieser Praxis ein “perfektes Beispiel für Orwell’sches Doppelsprech”. The Register erinnert es an die “Informanten-Gesellschaft” à la DDR oder Sowjetunion. Mick Brooks vom britischen Verband der Schulleiter:

“Wir glauben, dass dieses rückschrittliche Vorgehen einfach mehr Lehrer und andere Berufsgruppen dem Risiko bösartiger und falscher Anschuldigungen aussetzt.”

(bk)

The Register

Kommentare

Für die betroffene Person ist dies klar ungerecht – schließlich könnte jeder einfach eine willkürliche Behauptung aufstellen, nur um jemanden zu schaden…

Wenn die betroffene Person aber irgendwann einmal ein Kind an dieser Schule missbrauchen wird, dann wäre es wirklich schwer vermittelbar, dass man so eine Person in so einem Job arbeiten lässt!

Ich denke, die Sicherheit der Kinder hat hier Vorrang.

  • von Anonymous
  • 17.08.08 15:58
  • comment

Das einzige, was hier Vorrang hat, ist Willkür. Kinder können in ihren gerne auch mal kurzschlusshaften Gedankengängen den Lehrern etc, einiges an den Kopf werfen. Man hat dann aber als Lehrer auf einmal keine Chance mehr, etwas dagegen zu unternehmen.

  • von meinereiner
  • 17.08.08 16:08
  • comment

Wenn ich die Begründung lesen, frage ich mich immer eines:
Ist “immer nur an die Kinder denken” nicht von Haus aus höchst verdächtig?!

  • von Anonymous
  • 17.08.08 17:17
  • comment

“Freiheit” hat ihren Preis. Es gibt sicherlich ( mir selbst ist ein Fall, der im Bekanntenkreis vorkam bekannt ) Leute denen Missbrauch nicht nachgewiesen werden kann, und dass obwohl der Verdacht mehr als ein Verdacht sein kann. Und ob, oder ob nicht wird man irgendwan oder evtl. nie aufklären können.
Jetzt aber Menschen, denen auch nur der Hauch eines Verdachtes anhängt sozusagen mit Berufsverbot zu belegen und zu stigmatisieren kann nicht der Weg sein. Auch wenn im Falle des Falles, (m/d)ein Kind von solchen Personen dann auch missbraucht wird, es sicherlich die Frage gibt, ob es zu verhindern gewesen wäre. Ein sehr emotionlaes Thema, sicherlich.
Aber Freiheit hat ihren Preis, der in Zweifelsfalle auch zu zahlen ist. Für uns alle zum Wohle. Auch wenn jemand der selber Missbrauchsopfer ist für solche Worte kein Vertändniss ( bzw. schwer ) dafür aufbringen wird.
Ich stand selber mal vor dem Dilemma von einer “Freundin” mit der Vergewaltigungskeule “bedroht” worden zu sein. Keine schöne Situation, ging zum Glück für alle noch halbwegs gut aus. Ich will mir nicht ausmalen, wie es geendet hätte wäre es eskaliert. ( Also sie wäre echt zur Polizei gegangen und hätte mich angezeigt) Letzendlich aber ähnliche Situation.

  • von sprech
  • 17.08.08 20:17
  • comment

HAb ich in der Theregister Diskussion gefunden :
Or… “Better a hundred innocent men go to jail, than a single guilty man go free.”?

Now who said that?

Oh yes – Iosef Vissarionovich Dzhugashvili. Perhaps better known as Joseph Vissarionovich Stalin

Now THERE’S an example to follow!

Nothing more o say.

  • von stalin
  • 17.08.08 20:28
  • comment

@anonymos1

In einem Rechtsstaat gilt immer das Unschuldsgebot.

Wem keine Schuld nachgewiesen wird ist unschuldig. Und die Schuld feststellen kann immer nur ein Gericht, niemand sonst.

Soll ich jetzt behaupten, Ano1 ist ein Kinderschänder (Dieb, Räuber, Mörder, such Dir was aus)?
Wenn das an Dir hängen bliebe und Du Dich nicht dagegen wehren könntest deswegen aus dem Job zu fliegen, würdest Du dann immer noch Deiner Meinung sein?
UK hat damit jedenfalls den Rechtsstaatsstatus verloren.
Vergleichbar sind nun Nordkorea, Iran, Burma, Russland etc.
Toll.

H.

  • von Hugo Waldem
  • 17.08.08 20:34
  • comment

Hey Leute. Wieder mal hat der eine oder andere die ENTWICKLUNG nicht mehr im Kopf.
Die mächtigsten Leute der Welt sind wenige und haben Angst. Daher immer mehr Gesetze und Pseudomoralitäten. Auch wenn sie teilweise noch nicht exekutiert werden. Das braucht es noch gar nicht. Ist ja auch nur ein Mittel zum Zweck.
Nämlich erst dann, wenn einer unangenehm wird.
So. Ihr solltet langsam begreifen, Orwell ist sowas von Oldskool…
Wir haben 2008. Und keiner hats gerafft.
Wir fucken noch immer rum mit 3Ghz Geräten (3 sind 3 und werden auch durch mal 4 nicht mehr als 3).
Wir haben eine Europäische DNA Datenbank.
Unsere Daten wurden verraten und verkauft. Kameras wohin man nur sieht, oder auch nicht sieht. Verleumdungen, Hetzen, Ketzen, Wetzen…
Nur bei denen oben läuft alles nach Plan.
Aber das kann man von hier unten (Stress, Armut, Geld, Job, Bildung (lol), Kinder, Autos, Dissen, Pissen…) gar nicht erkennen.
Denn genau das ist der Plan.
Der Plan der Unglaublichkeit.
So gut, das DU ihn nicht glauben würdest.
Peace

  • von Balzac
  • 17.08.08 22:04
  • comment

Nordkorea, Iran, Burma, Russland etc.

ahhh die Achse des BÖSEN…

Je mehr Gummiparagraphen um so einfacher fällt es einem Regime seine Mitbürger zu “disziplinieren”

  • von Anonymous
  • 18.08.08 0:14
  • comment

Gefällt Dir Dein Nachbar nicht? Gewinnt immer der falsche Mitbürger bei der Wahl zum Elternsprecher? Hat irgendjemand anderes die besseren Chancen auf die nächste Beförderung?

Die Lösung für alle diese Probleme ist obiger Meldung zu entnehmen.

  • von Alf E. Neumann
  • 18.08.08 13:57
  • comment

>> Or… “Better a hundred innocent men go to jail, than a single guilty man go free.”?

Wir fangen mit dem Verfasser des Zitats an.

  • von Alf E. Neumann
  • 18.08.08 13:58
  • comment

Und was noch viel dramatischer ist: Es mag vielleicht einiges geben die das volle Ausmaß der Bedrohung durch die ‘Machtinhaber’ erkennen. Die erkennen das der normale Bürger zu nichts anderem als zur eierlegenden Wollmilchsau wird. DOCH: Es wird sich so schnell nichts zum Guten ändern. DENN: Diejenigen die es ändern könnten kommen garnicht auf die Idee etwas zu ändern … wieso sollten sie auch ? Oder besser: wie könnten sie auch ?

Schaut zu und beobachtet oder erkennt wer und was ihr seid.

IHR SEID DAS VOLK, DIE REGIERUNG, DIE MACHT, DAS GESETZ.

  • von urlmadw
  • 19.08.08 13:19
  • comment

[...] weiha. Hier muss ich aber wieder protestieren wurstilein. > Du möchtest partou nur für dich selbst verantwortlich sein. Dafür > [...]

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