Der geheime Leitfaden: Wie Yahoo! Mitarbeiter! feuert!
Mittwoch, 10 Dezember 2008 16:39 von Nik Huber-Pöldl
Mindestens 1500 gehen über die Planke, es könnten auch 2000 werden. Die Entlassungszeremonien haben bereits begonnen.
CEO Jerry Yang hält es gerne noch eine Weile aus, weil es doch gar nicht so einfach ist, einen Ersatzmann für ihn zu finden. Von Massenentlassungen darf natürlich auch nicht die Rede sein, die Sprachregelung läuft vielmehr darauf hinaus, Yahoo müsse sich “fit machen”. Es muss hochbezahlte Berater geben, die sich solche beschönigenden Umschreibungen ausdenken.
Obwohl Yang Entlassungen bereits im Oktober ankündigte, weiß keiner, ob es ihn oder seinen Nachbarn trifft. Selbst ganze Projekte sind in Gefahr, eliminiert zu werden. Alles läuft nach einem genauen Fahrplan ab, wie in großen US-Firmen durchaus üblich. Selbst die genauen Gesprächsszenarios sind vorgegeben, wie aus Dokumenten hervorgeht, die Valleywag zugespielt wurden – der Klatschpostille des Silicon Valley, deren Belegschaft selbst eben erst auf fast Null heruntergefahren wurde. Sie sind mit einem seitlichen Aufdruck versehen: “Yahoo! Confidential / Do Not Forward”. Sie geben insbesondere vor, was die feuernden Vorgesetzten keinesfalls dürfen:
- sich in Small Talk über persönliche Angelegenheiten ziehen lassen
- auf die Frage “Warum ich?” eingehen
- sich die Gefühle des Angestellten zu eigen machen
- über andere Mitarbeiter sprechen oder Vergleiche ziehen
- erklären, dass sie mit der Entscheidung nicht übereinstimmen
Die Rausschmeißer bekommen sogar die Sätze in den Mund gelegt, mit denen sie die schlechte Nachricht zu übermitteln haben. Läuft es über den Schreibtisch hinweg, beginnt es so: “Vielen Dank, Aaron, dass Sie gekommen sind. Ich habe eine Information hinsichtlich unserer Organisation, die ich Ihnen persönlich mitteilen möchte.” Ein wenig anders darf es sich am Telefon anhören: “Hallo, Aaron. Ich muss mit Ihnen über etwas sehr Wichtiges reden, sind Sie gerade verfügbar? Ich habe eine Information über die Organisation, die ich Ihnen übermitteln möchte.”
Nach diesem Vorgeplänkel geht es zur Sache mit:
“Wie Sie wissen, hatte Yahoo! ein schwieriges Jahr und konzentriert sich darauf, die Kosten zu verringern. Wir haben einige harte Entscheidungen treffen müssen, was das Streichen von Stellen angeht. Ihre Stelle ist eine von denen, die gestrichen werden.”
(Wenn erforderlich) “Das war eine sehr schwierige geschäftliche Entscheidung, die von unseren Vorgesetzten getragen wird.”
(Wenn erforderlich) “Diese Entscheidung ist endgültig.”
“Ich schätze sehr, was Sie für Yahoo! geleistet haben. Wichtig ist jetzt, dass wir uns auf das konzentrieren, was für Sie als Nächstes kommt.”
Der Gefeuerte wird dem Szenario zufolge noch kurz einem Karriereberater vorgestellt, dann kommt die klare Ansage:
“Wenn Sie hier fertig sind, dann gehen Sie bitte zu Ihrem Schreibtisch und packen Sie Ihre persönlichen Sachen zusammen. Lassen Sie mich bitte wissen, wenn Sie irgendwelche Hilfe brauchen, da ich die von der Firma überlassenen Gegenstände innerhalb der nächsten beiden Stunden einziehen muss.”
Bei all dem sollen aber auch noch “Respekt gezeigt und die Würde des betroffenen Mitarbeiters beachtet” werden. Weitere detaillierte Vorgaben zum Yahoo! Feuern! finden sich hier.
(nik)

Kommentare
Schlimm, aber so ist es nun mal. Und diese Vorgehensweise ist dabei noch sehr human und rücksichtsvoll. Ich habe da schon andere Erfahrungen machen müssen…
Da kann ich nur zustimmen. Meine Chefs sagen mir ganz andere Sachen. Ich arbeite im öffentlichen Dienst. Da sollte man glauben, dass man gerecht für seine Leistung entlohnt wird. Das ist leider nicht so.
“Ja sie haben recht. Ihre Stellenbeschreibung entspricht nicht ihren Tätigkeiten” Ich mach also mehr als ich laut Stellenbeschreibung machen dürfte. Mache ich einen Fehler bin ich nicht abgesichert. Ich hätte die Tätigkeit ja eigentlich nicht machen dürfen…
“Leider können wir ihre Stellenbeschreibung nicht anpassen. Der Stellenhaushalt erlaubt es nicht.” Mit anderen Worten: Wenn sie meine Stellenbeschreibung ändern, müssen sie mich beförder. Das geht aber nicht weil der Stellenhaushalt vorsieht erstmal Chefs
LiebhaberLiebling zu befördern. Der macht am Ende weniger als ich und ich darf seine Aufgaben noch mit übernehmen.Tja leider gibt es zu viele unfähige Chefs. Da hab ich lieber einen, der sich nicht an oben genannte Regel hält und mir auch erklärt warum gerade ich gefeuert werden soll. Bringt mir in der Situation auch nichts aber ich könnte daraus lernen und bei der nächsten Firma eventuell zu den Glücklichen gehören.
Tja, und schuld sind wieder mal die Manager!
Die hätten Yahoo für 40$/Akazie an M$ verkloppen sollen, als die das heimliche Angebot machten. – Denn M$ wird die Kriese besser überstehen, als Yahoo (auch wenn diese Übernahme die Reserven von M$ aufgebraucht hätte).
Jetzt kann sich M$ die Hände reiben, bekommen sie doch was sie wollen bald für einen absoluten Ramschpreis… nützen wird es ihnen trotzdem nichts! ;)
Und wer sagt, dass MS dann nicht die Kosten reduziert hätte? Ob ich von Yahoo! oder MS gefeuert werde is doch auch egal… (wobei diese Aussage eher generell ist, sich nicht konkret auf MS bezieht und kein Bashing darstellt… nur mal präventiv gesagt)
und wo ist jetzt die news? die methoden sind doch bekannt – allgemein üblich würde ich sagen …
viel tragischer find ich dass den managern von der oberesten führung ein leitfaden für das entlassungsgespräch vorgegeben wird… man sollte meinen ein middle-line-manager, der sich darüber im klaren sein muss dass kündigungen zu seinem aufgabenbereich zählen, weiß wie er mit so einer situation umzugehen hat…
full ack!
[...] ich Ihnen gerne persönlich mitteilen würde…” So beginnt der makaber anmutende Leitfaden für die Yahoo-Personalverantwortlichen, die über 1500 Mitarbeiter kündigen [...]
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