Breitband-Internet: Ärger bei Versteigerung der Rundfunkfrequenzen
Montag, 29 Juni 2009 9:34 von Manfred Kohlen
Beschwerdebrief von E-Plus, Grummeln bei Kabelbetreibern, Freude bei Landbewohnern: Bei der Umstellung des terrestrischen Fernsehens auf Digitalsignale werden Frequenzen für Breitbandversorgung frei, doch die Frequenz-Auktion stößt in ihrer Form nicht überall auf Gegenliebe.
E-Plus und Vodafone hatten vor nicht all zu langer Zeit mitgetestet, ob sich Breitband-Internet über Fernsehfrequenzen technisch und wirtschaftlich sinnvoll betreiben lässt. Nach dem offenbar positiven Ergebnis entschloss sich die Bundesnetzagentur, die Frequenzen zu versteigern, um so ländliche Gebiete mit Internet-Anschluss besser zu versorgen. »Unfair«, schreit es nun aus einer Ecke, die selbst mitgetestet hatte, wie die gedruckte Ausgabe des Magazins Der Spiegel heute berichtet.
E-Plus zufolge ist die Versteigerung der Rundfunkfrequenzen für Internet zutiefst ungerecht: Der Beschwerdebrief an Landes- und Bundespolitiker über die Modalitäten der Auktion bekundet, die Vergabebedingungen würden kleinere Provider deutlich benachteiligen und den Wettbewerb behindern. E-Plus scheint sich dabei als einer dieser kleineren Anbieter zu sehen, denn man befürchte eine komplette Aufteilung der Frequenzen zwischen der Deutschen Telekom und Vodafone.
Weil die Versteigerungsbedingungen sicherstellen sollen, dass die Frequenzen wirklich für die unterversorgten Regionen benutzt werden, kleinere Anbieter aber noch nicht gleich überall die nötige Infrastruktur bieten könnten, kämen sicher nur diejenigen Unternehmen zum Zuge, die sich schon flächendeckend aufstellen konnten. Vodafone will die Gelegenheit sogar nutzen, um auf dieser Basis später ein LTE-Netz aufzubauen – wer bei den Fernsehfrequenzen noch nicht dabei sein kann – so wie E-Plus – hat später höhere Kosten, um derartige Netze der nächsten Generation zu installieren (für die, die es nicht wissen: LTE ist der nächste Mobilfunk-Schritt nach UMTS und WiMAX).
E-Plus ist offenbar ein gebranntes Kind – oder zumindest ein ängstliches: Erst vor Kurzem beschwerte sich der Betreiber über Deutsche Telekom und Vodafone. Die beiden würden ihre marktbeherrschende Stellung bei Mobilfunktarifen ausnutzen.
Die Kabelnetzbetreiber wiederum sehen (öffentlich jedenfalls) eine mögliche Störung der Übertragung von Fernsehfrequenzen über DVB-T durch die umher wirbelnden Internet-Signale. Da stellt sich natürlich die Frage, ob die Kabel-Anbieter nicht doch eher Angst um ihre Internet-Kabel-Angebote haben, die sich nun »in Luft auflösen« könnten. µ
L’Inqs:
Der Spiegel
E-Plus testet Rundfunk-Frequenzen für Internet
Vodafone in Tests zu Internet per Fernsehfrequenz
Rundfunkals Tod von WiMAX und LTE? Eine WiMAX/LTE-Bestandsaufnahme
FAZ: Die vorausgegangene Mobilfunkbeschwerde von E-Plus

Kommentare
Sind die Eh-Plüßchen a bisserl neidisch, weil sie bisher nicht so so gut das Land abdecken? Och, eine Runde Mitleid!
Öhm… Seit wann hat DVB-T was mit Kabelanbieter zutun?
Und dann ,wenn sie stören die Internetsignale, dann wäre das doch eher gut für Kabelkunden.
Das eine Terrestrisch!
das andere Kabel!
@blubbblub: Ja, das ist mir auch aufgestoßen, dass die unterirdischen Kabel angeblich von den oberirdischen Signalen betroffen sein könnten. Ich sehe bei allen Beteiligten nichts Anderes als die Angst ums Geschäft. Drum muzsste ich das einfach bringen, denn e entlarvt die Kabelgräber schon in sich…
Und wenn wir’s mal so sehen: Die Sendemasten fürs Fernsehen könnte man ruhig auch zu öffentlich-rechtlichen Sendern machen, darüber Breitband-Internet für alle anbieten – und dafür würden wir doch gerne GEZ-Gebühren abdrücken, oder?
cheers, Manfred, “störstrahlengeschädigt” ;-)
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