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US-Richter: Verbietet Links!

Montag, 29 Juni 2009 10:49 von Manfred Kohlen

Einer der Richter des obersten US-Berufungsgerichts schreibt in seinem Blog, Links zu Seiten mit geschütztem Inhalt solle man verbieten – um so die Zeitschriften und Zeitungen zu retten.

In einer schönen Serie beleuchtet der Webdienst TechCrunch viele dumme Ideen, die gedruckten Zeitungen und Magazine zu retten, welche derzeit vom Internet »erdrückt« werden. Nach vielen relativ schwachsinnigen Vorschlägen von Zeitungsmachern, Micropayment-Fans, Presseagenturen und anderen Vertretern des Medienkapitalismus ist diesmal ein Richter dran, durch den selbst generierten Kakao gezogen zu werden.

Die mit dem Überleben kämpfende Zeitungsindustrie könne nur gerettet werden, wenn Copyrightgesetze erweitert würden, schlägt »Euer Ehren« Richard Posner in seinem Blog vor.

http://www.becker-posner-blog.com/images/main.gif

Er glaubt, mit Gesetzen den Zugriff auf »copyrighted material« verbieten zu lassen, sei die Lösung und rette den Journalismus. Ja, richtig gehört: Auch Links zu den geschützten Inhalten sollen verboten werden, nicht nur der reine Cut&Paste-Journalismus, welcher auch unserer Meinung nach nicht ganz legal ist.

Aber viele »free riders« würden sich nur am teuer entwickelten Inhalt der anderen bereichern, schreibt Posner. Selbst reine Verlinkungen sollen ohne Zustimmung des Rechte-Inhabers verboten werden. Hallo? Das Verlinken bringt doch Leser, und von Links lebt das Internet!

Nun gut, seien wir mal nicht so böse: Posner sieht so verknöchert aus, dass er sich sicher das Kerzenlicht statt der Glühbirne und den langen Fußweg statt des Flugzeugs wieder wünscht. (»Die Dinosaurier wer’n immer trauriger«, tönt da ein altes Lied aus den 70ern in meinen Ohren.) Wir wollen Posner auf seinem Weg zurück nicht begleiten, denn nach siner Logik müsste man auch das Empfehlen gedruckter Magazine im nicht-digitalen Leben verbieten.

Sagte ich »Spiegel« oder »FAZ«, beginge ich nach »Posner’s Law« einen Gesetzesbruch (was uns wieder an den guten alten Monty-Python-Film »Das Leben des Brian« erinnert, der seinerzeit versteinerte Mythen der katholischen Kirche ungezogen auf die Schippe nahm: Wer das Wort »Jehova« in den Mund nahm, wurde gesteinigt. Wir verlinken also weiterhin und kommentieren ungezogen die verlinkten Fakten – »Jehova, Jehova!« (natürlich digital: »j3h0va, j3h0va!«)). µ

L’Inqs:
Blogpost des Richters: Verlinken verboten!
Erstaunter Nutzer auf Slashdot
Kommentar auf TechCrunch

Kommentare

Das ist ja das Schlimme. Nicht nur in der Politik gibt es Leute die das Internet nicht verstand haben oder/und es am liebsten wieder kaputt machen wollen. Auch unter Juristen ist diese Spezies nicht selten.
Darum dürfen wir uns nicht auf das Bundesverfassungsgericht verlassen. Wir müssen diese Politiker abwählen!

  • von Siegfried H.
  • 29.06.09 13:32
  • comment

Pöh. Sogar der trollige Kommentar “Verbietet gleich das ganze Internet!” erscheint witzlos und abgedroschen angesichts dieses Schwachsinns…. denn der Typ meint das ernst…

Cut’n'Paste-Journalismus ist wirklich geistiger Diebstahl. Über Copy’n'Paste-Journalismus würde ich noch eventuell mit mir diskutieren lassen…

  • von Anonymous
  • 29.06.09 14:47
  • comment

@ Anonymous:
Frei nach dem Motto: Von einer Quelle kopieren ist Plagiat, von mehreren Quellen kopieren ist Nachforschung….

  • von The Alpha
  • 29.06.09 15:01
  • comment

Versündigt Euch ruhig an fremden Inhalten, aber bitte nicht mit Ausschneiden oder Kopieren, sondern vor allem mit Kommentaren, Einsortieren und Kritisieren. Drum lese ich Techcrunch, Arstechnica, Wired und Inquirer.
News.com dagegen ist mir ein Dorn im Auge, weil die zwar selber recherchieren, aber so viele Schwachsinnszitate von Werbefuzzis übernehmen und das dann tausendmal von verschiedenen Leuten in anderen Worten nachplappern lassen, dass ich die wichtige Info beim zehnten Zitat schon wieder ausblende!

Links sind mir wichtig für weiterführendes Material. Das war ja auch der Sinn des World Wide Webs, als es Tim Berners-Le erfand!

  • von Spocky
  • 29.06.09 15:33
  • comment

Es ist doch ganz einfach!

Man verbietet das im Internet mehr als 10 Wörter pro Seite stehen dürfen.

Na ? Schon haben die Verlage und Pressen wieder zu tun!
Ganz einfach.

Das internet ist schließlich für Pr0n da … ;o)

  • von Gördi
  • 29.06.09 16:37
  • comment

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