»Microsoft sucht naive Entwickler«
Dienstag, 07 Juli 2009 9:09 von Manfred Kohlen
So kommentiert unser britischer Inquirer-Kollege Nick Farrell, was er empfand, als er über Ray Ozzies Anforderungen an das »Frischfleisch« für Microsofts Entwickler-Crew gelesen hatte.
Ozzie, erster Entwickler und damit quasi Erfinder der Groupware (vor langer Zeit bei Lotus) und später von Bill Gates als handverlesener Nachfolger der Visionärs-Rolle in Microsofts Software-Entwicklung herausgepickt, will mehr junge Studenten anstellen.
Dies waren seine Worte zum Programmier-Wettbewerb »Imagine Cup«, der in Kairo seit 7 Jahren unter Microsoft-Ägide stattfindet.
Am liebsten hätte Ozzie solche Programmierer, die noch keinerlei Erfahrungen Vorbelastungen hätten. Naive junge Leute seien eben nicht von irgendwelchen Grenzen geprägt – und würden so auf ganz andere Lösungswege für ein Problem kommen als die alten Hasen. Oder etwas völlig Neues bauen, woran zuvor keiner dachte.
Die jungen Hüpfer ließen sich nicht aufhalten, weil etwas »unmöglich« sei – sie probierten erst mal aus, weil sie glauben, die Welt verändern zu können – und schafften dies dann sogar recht häufig. So sieht es Ray Ozzie, der selbst einmal ziemlich unbedarft begann, bevor er zum Vorbild für viele Programmierer avancierte. Als Beispiele für Weltveränderungen nannte er Google, Yahoo, Facebook und sogar Microsoft – allesamt gegründet von Studenten mit »unbändiger Energie«. Und das alles sei nur ein Kratzen an der Oberfläche technischer Innovation gewesen.
»Nichtwissen als Chance«, scheint die neue Devise bei Microsofts Entwicklungschef zu sein. »Change Management« nennt man das. Wird ja auch mal wieder Zeit, die Welt zu verändern. µ
L’Inqs:
Nichtkönner als Aufbruch? Nick Farrell ist verunsichert
Über den Imagine Cup

Kommentare
er hat recht, wenn man in einer Materie nicht zu tief drin steckt, kommt man oft auf Lösungen die anderen verschlossen bleiben. wäre mal auch was das in der Politik zu probieren ;).
MS sucht wohl eher Entwickler, die fröhlich und kreativ deren Interessen ins Reine coden (D! R! M! :)…
Aber sobald die mal in den Niederungen des Konzernalltags angekommen sind…
Teils ist die Begründung richtig. Ich erlebe das selbst dutzendfach. Ein junger Ingenieur fängt an, sieht einen Mißstand, sucht eine Lösung, rennt sich den Schädel ein an festgefahrenen Verfahrensweisen der Kollegen. Entweder er resigniert nach ein oder zwei Versuchen oder er sucht sich eine andere Stelle.
Wie man aus der Mathematik (der richtigen, nicht Rechnen, das man an den Schulen lernt) kennt: Betrachte das Problem aus einem ganz anderen Blickwinkel.
Ein neuer Mitarbeiter sucht sich zur Lösung eines Problems eine eigene Lösung und vielleicht ist der Ansatz besser und das Problem wird eleganter gelöst.
Dann schlägt die Stunde des guten Managements. Diese elegantere Lösung muss dann “von oben” durchgesetzt werden, sonst macht jeder seinen Stiefel weiter so wie die letzten 20 Jahre.
Wenn er das also ernst meint, kann das durchaus etwas bringen.
Meist suchen die Firmen aber nur “Frischfleisch”, weil die Leute direkt von der Uni “für ‘n Appel und ‘n Ei” sich den “Arsch abarbeiten” und “keinen Ärger machen”.
jetzt kratzt euch mal am sack und steckt euch den finger in den arsch. . .
fast das ganze IT business (vor allem in den kreativen bereichen) ist hauptsächlich von quereinsteigern und teils vollkommen artfremden tüfftlern, bastlern, hippies, freakz, spinnern, punks und frustrierten studienabbrechern (zwar in ihrer gesamtheit von sämtlichen – aber hauptsächlich aus den technischen und naturwissenschaftlichen bereichen heraus) – die sich zum größten teil erst mal alles selber bzw. untereinander beibrachten (weil es damals überhaupt noch keine studiengänge ala’ informatik, webdesign oder änliches etc. gab (erst recht nicht hier in deutschland wo man in der breite noch 1998 der meinung war das computer im allgemeinen nur irgendwelche spielerein für “technik-spinner” darstellten und höchstens in den verwaltungen von wichtigkeit wären) – aus dem boden gestampft und zum laufen gebracht – und weniger bis gar nicht von irgendwelchen geschniegelten und glatt-gehobelten scheiß studenten die mehrheitlich ohne anleitung und genehmigung des zuständigen PROFs meist nicht mal in der lage sind ihre eigenen schuhe selbst zuzubinden!
das studierte gesocks kam erst viel später dazu. und anfänglich hatten die fast immer nur die großen ideen wie man den (meist unbedarften) leuten, für fast 0 gegenleistung, die kreuzerchen aus dem schemisett leierte bzw. wie man sie am besten übers ohr hauen kann.
bestes bspl. ist sowieso B. Gates. was hat der schon großartig geleistet? außer einen alten code neu zu kompilieren und später ein programm billig einzukaufen, ein wenig umschreiben zu lassen, um es dann anschließend mithilfe des damals größten PC produzenten (IBM) unter die leute zu bringen. also im prinzip nicht allzu viel was man als innovativ bezeichnen könnte. außer natürlich man beharrt unbedingt darauf das unermessliche gier, kriminelle energie und rücksichtsloses geschäftsgebaren unter “innovativ” zu verbuchen sei.
was die IT-branche heute dringlichst brauchen würde wären wieder mehr quereinsteiger und spinner – und weniger plattgehämmerte, geistig eindimensional gestickte und auf linie getrimmte studenten.
aber ohne scheinchen ist man ja heutzutage nichts mehr – und es wird mit argusaugen darüber gewacht das auch keiner mehr was werden kann oder etwa gar fußfassen könnte!
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