Es gibt keine WiFi-Allergie
Mittwoch, 29 Juli 2009 14:38 von Manfred Kohlen
Wie Zeitungen und Websites eine PR-Meldung zu Wissenschaft machten.
Die Kollegen von Ars Technica haben wieder mal die Nase voll von dem, was Zeitungen aus PR machen können, nur um die Auflagen zu steigern (oder weil nicht mehr genügend Personal in den aussterbenden Redaktionen sitzt). Und: Die Blätter verkaufen das auch noch als Wissenschaft!
Eine Anfang des Monats publizierte Studie von Pew Research ergab, dass »das Volk« (in dem Fall das US-amerikanische) gerne Nachrichten aus der Wissenschaft liest. Insbesondere zum Thema Gesundheit. Das eignet sich wunderbar, um Käufer von Medien zu ködern: Gesundheitsbücher (‘Tschuldigung, das nennt man ja jetzt »Wellness«), Musik und dergleichen mehr.
Und so ist’s geschehen: Ein DJ hatte sich öffentlich über seinen Gesundheitszustand nach Einrichten eines WiFi-Netzes beschwert. Die »WiFi exposure« schaffe einen Zustand namens »Elektro-Sensitivität«. – Eine Krankheit, die nicht wirklich existiert, doch immer wieder tauchen Nachrichten im Netz und auf Papier auf, die einfach nur auf erfundenen »wissenschaftlichen« Berichten beruhen.
Die Pew-Umfrage übrigens ergab Zweierlei: Die amerikanische Öffentlichkeit ist waaahnsinnig interessiert an Gesundheit, aber glaubt nicht wirklich, dass die Presse bei der Berichterstattung einen guten Job macht. Vergangene Woche bewies auch, warum die Ergebnisse so mies ausfallen.
Nachdem die englischsprachigen Medien in Europa wie USA und sogar in Indien, etwa The Sun, The Telegraph, die Daily Mail sowie Fox News und Indian Express darüber berichteten, dass der britische DJ (mal als Dave, mal als Steve Miller genannt) durch die WLAN-Signale ein »gar schröckliches Leben« führen müsse – mit diversen Symptomen wie Unwohlsein, Kopfschmerz und so weiter -stellte sich heraus: Genau dieser Mann veröffentlicht nun ein Album mit dem Namen Electrosensitive.
Die PR dazu wird übrigens von diversen Studien widerlegt, denn nur ganz wenige Menschen leiden wirklich unter Elektro-Sensitivität (angeblich zwei Prozent – inklusive der psychosomatischen Fälle). Doch keine der wissenschaftlichen Quellen liefert einen Beweis für diese Zahl – nur Theorien sind unterwegs. Und natürlich einfallsreiche PR. Ich jedenfalls kaufe dieses Album nicht. µ
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L’inqs:
Studie: Wissenschaftswahn und Ungläubigkeit in den USA
Ars Technica über die Falschmeldungen
Aktuell reingefallen auf Elektrosensitivitäts-PR:
The Sun
The Telegraph
The Daily Mail
Fox News
Indian Express
IT im Unternehmen meldete schon 2008 einen Fall von WiFi-Panik

Kommentare
WLAN ist genauso schädlich, wie Bachblüten gesund sind: Real = 0, als Placebo so zwischen 10 – 90%, je nach Anwendungsfall, Preis und Glaubensstärke.
Das ist wie die Geschichte vom Schlafzimmer:
Hubert fühlt sich in seinem alten Schlafgemach nicht mehr wohl. Kann nicht gut Schlafen und überhaupt.
Kumpel empfiehlt ihm einen Fachmann für gutes Nächtigen. Der sieht sich das Schlafzimmer, pendelt es aus, spürt nach Wasseradern und Erdfeldern. Am Ende empfiehlt er Hubert die Anschaffung eines neuen Bettes mit teurer Bio-Esoterikmatratze und schraubenlosem Design. Er bestimmt den optimalen Platz für das Bett und schreibt eine saftige Rechnung.
Hubert stellt also sein Schlafzimmer um, weißelt es bei der Gelegenheit neu, reisst den alten Kunststoffteppich raus und richtet sein neues Gäa-Deluxe-Bettgestell exakt nach des Meisters Vorgabe aus. Als er alle Arbeiten abgeschlossen hat, sinkt in sein Bett und schläft so gut, wie er schon lange nicht geschlafen hat.
Die 7 DECT-Telefone in der Etage darüber, die mitterweile 12 WLANs in der Nachbarschaft stören seinen Schlaf nicht. Die 24 Rasenmäher, die allsamstäglich nacheinander angeworfen werden hört er nicht.
Hubert ist glücklich :-), der Fachmann reicher und der Matratzenverkäufer weiss jetzt schon, dass die Biounterlage nicht allzu alt werden wird.
Elektro-Hyper-Sensibilität. Lange Zeit esoterisch angehaucht und verschrien. Mittlerweile nicht mehr. Auch wenn wirklich nur ein verschwindend geringer Teil davon davon betroffen ist. Angeblich sollen dadurch spezielle Kommunikationswege in Zellen gestört werden. Es scheint jedenfalls so real zu sein das die Forschung weiter geht.
Schuhuuuu. Und trotzdem noch keine Leute tot nach einem MRT, der ein Witz gegenüber einem E-Werk ist in dem man drin steht.
Ist es vielleicht Magie? Oder sind magn. Wechselfelder doch nicht so gefährlich? Ich meine wenn es so wäre müssten sie Spannung in den Neuronen induzieren und das Hirn müsste leuchten und danach stinken.
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