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Kostenpflicht reißt britische Times online in die Tiefe

Montag, 05 Juli 2010 23:17 von Manfred Kohlen

Rupert hat jetzt eine rote Nase. Nein, nicht das Rentier, denn das heißt nur so ähnlich: Rudolph war das. Der  Verleger Rupert Murdoch hat sich jetzt aber auch eine solch verlegene rote Nase geholt – denn er dachte eigentlich, er könnte mehr Geld verdienen, wenn er seine Inhalte kostenpflichtig macht.

War wohl nix und mag beim Wall Street Journal (auch Murdochs Eigentum) funktionieren. Nicht so bei der Times. Und so muss Rupert auch im fortgeschrittenen Alter noch seine Lektionen lernen. Der Großverleger, der einst von Australien aus die Welt eroberte, verliert mit seinem britischen Flaggchiff jetzt Online-Leser in Scharen – seit der Online-Auftritt Geld kostet. Und die Leser wollen einfach nicht wiederkommen. Inquirer-UK-Mann Nick Farell hämisch: »Jetzt haben die Kollegen von TheIndependent endlich mehr Leser als die Times! Und das, obwohl die doch eher die paar Leser haben, die sogar ihren Joghurt selber stricken!«

Dem Website-Statistikdienst Alexa zufolge fallen die Zahlen tief. Nicht nur ein bisschen: Sie seien eher ein steiles Cliff heruntergestürzt, kommentiert Nick. Und das sei ein ganz klares Zeichen dafür, dass dies wohl ein schlechtes Omen für die Zukunftspläne von Murdoch ist. Kurz und gut mit unserer kleinen Farbenlehre betrachtet: Die Zukunft wird schwärzer und Ruperts Nase immer roter.

Laut Internetguru Clay Shirky gibt es in weniger als 50 Jahren keine traditionellen Zeitungen mehr – und er sieht auch für das Online-Bezahlmodell keine Zukunft. µ

L’Inqs:
Das Vorgeplänkel: Murdoch will Bezahldienste über Microsofts Bing anbieten
Murdoch-Interview (mit Video): Google aussperren!
Nick Farrell lamentiert über ausgediente Murdoch-Geschäftsmodelle
Sydney Morning Herald: Internet-Guru sieht Zeitungen und Bezahldienste am Ende
Noch so einer: »WAZ: Google klaut Inhalte«

Kommentare

Nelson: HA HA!

  • von Nelson
  • 05.07.10 23:23
  • comment

und was soll uns dieser Artikel jetzt sagen? Das bei einer Umstellung von kostenlos auf kostenpflichtig massiv Leser abwandern war zu erwarten, das einzige was interessiert, wie diese Umstellung die Entwicklung der Einnahmen geändert hat.

Ich glaube kaum das es sich wirtschaftlich für die Times lohnt, solange nicht alle Zeitungen auf ein Bezahlmodell umsteigen ist das einfach unrealistisch. Schließlich steht im Prinzip sowieso in allen Zeitungen dasselbe, also warum sollte man da für eine bezahlen wenn man eine andere umsonst lesen kann?

  • von Anonymous
  • 06.07.10 1:26
  • comment

Wenn mit einem zahlenden Leser mehr Geld gemacht wird als mit 1000 nichtzahlenden, die eh durch Werbebanners finanziert werden müssen (aber diese werden sowieso blockiert), dann bleibt es unbenommen für Murdoch, Geld für Artikel zu verlangen. Da wird wohl endlich mal ein Verleger mit den Gewerkschaften am gleichen Strang ziehen.

Aber weil ich als Leser sowieso alles umsonst anderswo bekomme, was dieTimes online hat, wird sich Rupi noch eine rotere Nase holen. Die Konkurrenz bei den Blättern un Websites und PDF-Downloads ist halt jetzt weltweit und medienübergreifend. Da muss man schon ein Menge Geld investieren, um wieder die Qualität zu bekommen, die Leser trotz Werbung oder Gebühren dauerhaft anzieht. Sonst pssiert das Gleiche wie im Fernsehen – das ist nur noch für die doofe Masse gemacht.
(na endlich mal ein Grund für die Beibehaltung der GEZ! die müssen nur ihre Beamtenart abschalten und das richtig erklären)

  • von Spocky
  • 06.07.10 11:56
  • comment

@_X und @Spocky:
Der Artikel sollte vor allem zeigen, dass die Pläne von Murdoch eben nicht so aufgehen wie gedacht – und dass die Verleger eine Menge mehr als nur Geldverlangen tun müssen, um die unaufhaltsame “On-Demand”-Kultur zufriedenzustellen.
Da hat Spocky mit seinem Kommentar völlig recht: Es muss viel Geld investiert werden, um die Menschen wirklich mit außergewöhnlichen und qualitativen Inhalten davon zu überzeugen, dafür auch noch Geld hinzublättern. Die Modelle, die es für freiwillige Zahlungen gibt, funktionieren leider noch nicht so recht, also muss das Niveau noch viel tiefer sinken, bis sich endlich ein Investor durchringt, seine Milliarden nur aus Überzegung in Qualität zu investieren. Zurück kommt’s derzeit noch nicht – da müssen wir noch warten.

  • von mkohlen
  • 06.07.10 12:11
  • comment

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